Bio ist im Trend – auch für Ottonormalverbraucher

 

Bio und öko sind schon lange keine Begriffe mehr, die nur mit alternativen Bauernhof-Kommunen und der Jesus-Latschen-Fraktion in Verbindung gebracht werden. In den letzten zehn Jahren sind Naturprodukte in Mode gekommen und seit etwa fünf Jahren sind sie auch für fast jedermann bezahlbar. Vorbei sind die Zeiten, in denen es nur in ausgesuchten Bioläden Naturkostprodukte zu horrenden Preisen gab. Mittlerweile haben so gut wie alle Supermärkte und Discounter Bioprodukte in ihr Sortiment aufgenommen und durch die große Nachfrage das Angebot rasch ausgebaut. Von Joghurt, Milch und Eiern bis zu Fleisch, Tomaten und Nudeln ist fast alles erhältlich. Bio ist massentauglich geworden.

Verwunderung tritt jedoch auf, wenn man manchem eingefleischten Bio-Fan zuhört: Es wirkt es fast so, als würden den Langzeit-Bio-Essern die neusten Entwicklungen missfallen. Statt sich über Interesse und das wachsende Bewusstsein um die Wichtigkeit von nachhaltiger und biologischer Lebensmittelherstellung zu freuen, kreiden sie an, dass die verkauften Produkte nur einem Mindeststandart genügen und nicht mit Premium-Bio-Produkten zu vergleichen sind. Verletzter Bio-Stolz, weil jetzt auch der spießige Nachbar von gegenüber seine Bio-Zucchini schnippelt, oder ernsthafte Bedenken? Selbstredend kann es das Bio-Gemüse vom Discounter selten mit dem frischen Gemüse vom Bio-Bauernhof in der Nähe aufnehmen (obwohl bei Aldi mittlerweile 11 Prozent des Bio-Obsts und Gemüses regional geliefert wird) - doch muss es deshalb gleich schlechter sein? Gerade für Studenten und Familien mit niedrigeren Einkommen sind die Naturkostprodukte von Aldi oder Lidl erschwinglicher und einfacher zu besorgen. Die in Frage kommenden Lebensmittel sind mit dem Bio-Siegel, nach den Kriterien der EG-öko-Verordnung, gekennzeichnet.
Die Discounter-Produkte nehmen den kleinen Geschäften die Existenzgrundlage weg, mag der eine oder andere einwenden. Das stimmt zwar bis zu einem gewissen Grad, doch werden mit den „Billig-Bio-Produkten“ ja vor allem Menschen angesprochen, die bis jetzt so gut wie keine Naturkost gekauft haben. Auch wenn in den kleinen Läden zu erst vielleicht ein paar Käufer wegfallen, kommen später bestimmt wieder mehr zurück – nämlich die neuen Bio-Esser! Außerdem werden eingefleischte Bio-Stammkäufer dem Laden ihres Vertrauens selten untreu werden.
Wer ausgefallene Dinge sucht oder sich auch für Naturkosmetik interessiert, wird in der Regel sowieso einmal einen speziellen Bio-Supermarkt besuchen. Nicht nur in den großen deutschen Städten, auch in den kleineren Gemeinden und in vielen Ortschaften haben sich Bioläden angesiedelt. Eine gute deutschlandweite Anlaufstelle ist das Vitalia Reformhaus, eine seit Jahrzehnten bekannte Kette für Bioprodukte, Naturarzneimittel und Naturkosmetik. Neben dem traditionellen Reformhaus findet man regional auch viele Unternehmen, die sich im Laufe der Zeit vom kleinen, alternativen Bio-Markt zum schicken großen Supermarkt gewandelt haben. Größe muss dabei nicht negativ sein, sondern kann auch einen Preisvorteil für die Kunden bedeuten. So hat sich zum Beispiel der Bio-Markt Naturata in Köln, zu finden mit der praktischen Telefonnummernsuche, von einem kleinen Geschäft zu einem großen Bio-Supermarkt mit Zweigstellen entwickelt, und sich einen Namen in der Naturkosmetik- und in der Naturkostbranche, siehe Branchenbuch Köln, gemacht.